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Von dem Fischer und seiner Frau (Jacob & Wilhelm Grimm)

De Fisher und sine Fru Von dem Fischer und seiner Frau
unknown author Jacob & Wilhelm Grimm
Low German German
Dor weer eenmol eens een Fischer un sine Fru, de waanden tosamen in'n Pißputt, dicht an de See, un de Fischer güng alle Dage hen un angeld. Es war einmal ein Fischer und seine Frau, die wohnten zusammen in einer kleinen Fischerhütte, dicht an der See, und der Fischer ging alle Tage hin und angelte: und angelte und angelte.
Un he angeld un angeld. So sass er auch einmal mit seiner Angel und sah immer in das klare Wasser hinein: und so sass er nun und sass.
So sit he ok eens bi de Angel und kiekt jümmers in dat blanke Water henin. Da ging die Angel auf den Grund, tief hinunter, und als er sie heraufhohe, da holte er einen grossen Butt heraus.
Un he sit un sit. Da sagte der Butt zu ihm: "Hör mal, Fischer, ich bitte dich, lass mich leben, ich bin kein richtiger Butt, ich bin ein verwunschener Prinz.
Dor güng de Angel to Grund, dep ünner, un as he se herup hold, so hold he eenen grooten Butt heruut. Was hilft's dir denn, wenn du mich tötest?
Dor sä de Butt to em: "Hör mal, Fischer, ick bed di, laat mi lewen, ick bün keen rechten Butt, ick bün'n verwünschten Prins. Ich würde dir doch nicht recht schmecken: Setz mich wieder ins Wasser und lass mich schwimmen."
Wat helpt di dat, dat du mi doot maakst? - "Nun," sagte der Mann, "du brauchst nicht so viele Worte zu machen: einen Butt, der sprechen kann, werde ich doch wohl schwimmen lassen."
Ick würr di doch nich recht smecken. Damit setzte er ihn wieder in das klare Wasser.
Sett mi weller in dat Water un laat mi swemmen." Da ging der Butt auf Grund und liess einen langen Streifen Blut hinter sich.
"Nu," sä de Mann, "du bruukst nich so veel Wöörd to maken, eenen Butt, de spreken kann, harr ik doch wol swemmen laaten." Da stand der Fischer auf und ging zu seiner Frau in die kleine Hütte.
Mitdes sett he em weller in dat blanke Water, dor güng de Butt to Grund und let eenen langen Striepen Bloot achter sik. "Mann," sagte die Frau, "hast du heute nichts gefangen?"
So stünn de Fischer up un güng na sine Fru in'n Pißputt. - "Nein," sagte der Mann. "
"Mann," sä de Fru, "hest du hüüt niks fungen?" Ich fing einen Butt, der sagte, er wäre ein verwunschener Prinz, da hab ich ihn wieder schwimmen lassen."
"Ne," sä de Mann, "ick füng eenen Butt, de seggt, he weer een verwünschten Prins, dor heff ick em weller swemmen laaten." - "Hast du dir denn nichts gewünscht?"
"Hest du di denn niks wünschd?" sagte die Frau. "
sä de Fru. " Nein," sagte der Mann, "was sollte ich mir wünschen?"
Ne," sä de Mann, "wat schull ick mi wünschen?" - "Ach," sagte die Frau, "das ist doch übel, immer hier in der Hütte zu wohnen: die stinkt und ist so eklig; du hättest uns doch ein kleines Häuschen wünschen können.
"Ach," sä de Fru, "dat is doch äwel, hier man jümmers in'n Pißputt to waanen, dat stinkt un is so eeklig. Geh noch einmal hin und ruf ihn.
Du harrst uns doch een lütte Hütt wünschen kunnt. Sag ihm, wir wollen ein kleines Häuschen haben, er tut das gewiss."
Gah na em hen un roop em. - "Ach," sagte der Mann, "was soll ich da nochmal hingehen?"
Segg em, wi wöllt 'ne lütte Hütt hebben, he deit dat gewiß." - "I," sagte die Frau, "du hattest ihn doch gefangen und hast ihn wieder schwimmen lassen - er tut das gewiss.
"Ach," sä de Mann, "wat schull ick dor noch hengahn?" Geh gleich hin!"
De Mann wull noch nich recht, wull aver sin Fru ok nicht to weddern sin un güng hen na de See. Der Mann wollte noch nicht recht, wollte aber auch seiner Frau nicht zuwiderhandeln und ging hin an die See.
As he dor kem, weer de See ganz gröon un geel un goor nich mehr so blank. Als er dorthin kam, war die See ganz grün und gelb und gar nicht mehr so klar.
So güng he an‘t Water und sä: "Manntje, Manntje, Timpe Te, Buttje, Buttje in der See, mine Fru, de Ilsebill, will nich so, as ick wol will." So stellte er sich hin und sagte: "Männlein, Männlein, Timpe Te, Buttje, Buttje in der See, Meine Frau, die Ilsebill, Will nicht so, wie ich wohl will."
Dor kem de Butt answemmen un sä: "Na, wat will se denn?" Da kam der Butt angeschwommen und sagte: "Na, was will sie denn?"
"Ach," sä de Mann, "ick harr di doch fungen hatt, nu sä min Fru, ick harr mi doch wat wünschen schullt. - "Ach," sagte der Mann, "ich hatte dich doch gefangen; nun sagt meine Frau, ich hätt mir doch was wünschen sollen.
Se mak nich mehr in'n Pißputt waanen, se wull geern 'ne Hütt." Sie mag nicht mehr in der Hütte wohnen, sie will gern ein Häuschen."
"Gah man hen," sä de Butt, "se hett se all." - "Geh nur," sagte der Butt, "sie hat es schon."
Dor güng de Mann hen, un sine Fru sit nich mehr in'n Pißputt, dor stünn aver eene lütte Hütt, un sine Fru sit vor de Döhr up eene Bank. Da ging der Mann hin, und seine Frau sass nicht mehr in der kleinen Hütte, denn an ihrer Stelle stand jetzt ein Häuschen, und seine Frau sass vor der Türe auf einer Bank.
Dor nöhm sine Fru em bi de Hand un sä to em: "Kumm man rin, süh, nu is dat doch veel beter." Da nahm ihn seine Frau bei der Hand und sagte zu ihm: "Komm nur herein, sieh, nun ist doch das viel besser."
Dor güngen se rin, un in de Hütt weer een lütten Vörplatz un eene lütte herrliche Stuw un Kammer, wo jem eer Beed stünn, un Köök un Spieskammer, allens up dat beste, mit Gerädschoppen, un up dat scheunste upplegt, Tinntüüch un Mischen, wat sik darin höört. Da gingen sie hinein, und in dem Häuschen war ein kleiner Vorplatz und eine kleine reine Stube und Kammer, wo jedem sein Bett stand, und Küche und Speisekammer, alles aufs beste mit Gerätschaften versehen und aufs schönste aufgestellt, Zinnzeug und Messing, was eben so dazugehört.
Un achter weer ok een lütten Hoff mit Hönern un Aanten, un een lütten Goorn mit Grönigkeiten un Appeln. Dahinter war auch ein kleiner Hof mit Hühnern und Enten und ein kleiner Garten mit Grünzeug und Obst. "
"Süh," sä de Fru, "is dat nich nett?" Sieh," sagte die Frau, "ist das nicht nett?"
"Jo," sä de Mann, "so schall‘t bliewen, nu wöllt wi recht vergnöögt lewen." - "Ja," sagte der Mann, "so soll es bleiben; nun wollen wir recht vergnügt leben."
"Dat wöllt wi uns bedenken," sä de Fru. - "Das wollen wir uns bedenken," sagte die Frau.
Mitdes eeten se wat un güngen to Bedd. Dann assen sie etwas und gingen zu Bett.
So güng dat wol 'n acht oder veertein Dag, dor sä de Frau: "Hör, Mann, de Hütt is ok goor to eng, un de Hoff un de Goorn is so kleen. So ging es wohl nun acht oder vierzehn Tage, da sagte die Frau: "Hör, Mann, das Häuschen ist auch gar zu eng, und der Hof und der Garten ist so klein: der Butt hätt uns auch wohl ein grösseres Haus schenken können.
De Butt harr uns ok wol en grötter Huus schenken kunnt. Ich möchte wohl in einem grossen steinernen Schloss wohnen.
Ich möch wol in eenem grooten stenern Schlott waanen. Geh hin zum Butt, er soll uns ein Schloss schenken."
Gah hen tom Butt, he schall uns een Schlott schenken." - "Ach Frau," sagte der Mann, "das Häuschen ist ja gut genug, warum wollen wir in einem Schloss wohnen?"
"Ach, Fru," sä de Mann, "de Hütt is god noog, wat wöllt wi in'n Schlott waanen." -"I was," sagte die Frau, "geh du man hin, der Butt kann das schon."
"I wat," sä de Fru, "gah du man hen, de Butt kann dat jümmers doon." - "Nein, Frau," sagte der Mann, "der Butt hat uns erst das Häuschen gegeben.
"Ne, Fru," sä de Mann, "de Butt hett uns eerst de Hütt gewen, ick mak nu nich all weller kamen, dem Butt künnt dat sur upstöten." Ich mag nun nicht schon wieder kommen, den Butt könnte das verdriessen."
"Gah doch," sä de Fru, "he kann dat recht good un deit dat geern. - "Geh doch," sagte die Frau, "er kann das recht gut und tut es auch gern; geh du nur hin."
Gah du man hen." Dem Mann war sein Herz so schwer, und er wollte nicht; er sagte zu sich selber: "Das ist nicht recht."
De Mann weer sin Hart so swoor, un wull nich. Aber er ging doch hin.
He sä bi sik sülben: "Dat is nich recht!" Als er an die See kam, war das Wasser ganz violett und dunkelblau und grau und dick, und gar nicht mehr so grün und gelb, doch war es noch still.
He güng aver doch hen. Da stellte er sich hin und sagte: "Männlein, Männlein, Timpe Te, Buttje, Buttje in der See, Meine Frau, die Ilsebill, Will nicht so, wie ich wohl will."
As he an de See kem, weer dat Water ganz vigelett un dunkelblau un grau un dick, un goor nich mehr so gröön un geel, doch weer‘t noch still. "Na, was will sie denn?"
Dor güng he an‘t Water un sä: "Manntje, Manntje, Timpe Te, Buttje, Buttje in der See, mine Fru, de Ilsebill, will nich so, as ick wol will." sagte der Butt. "
"Na wat will se denn?" Ach," sagte der Mann, halb betrübt, "sie will in einem grossen steinernen Schloss wohnen."
sä de Butt. " - "Geh nur hin, sie steht vor der Tür," sagte der Butt.
Ach," sä de Mann half bedrööft, "se will in'n groot stenern Schlott waanen." Da ging der Mann hin und dachte, er wollte nach Hause gehen, als er aber dahin kam, da stand dort ein grosser steinerner Palast, und seine Frau stand oben auf der Treppe und wollte hineingehen: da nahm sie ihn bei der Hand und sagte: "Komm nur herein."
"Gah man hen, se steit vör de Döhr," sä de Butt. Damit ging er mit ihr hinein, und in dem Schloss war eine grosse Diele mit einem marmornen Estrich, und da waren so viele Bediente, die rissen die grossen Türen auf, und die Wände waren alle blank und mit schönen Tapeten ausgestattet, und in den Zimmern lauter goldene Stühle und Tische, und kristallene Kronleuchter hingen von der Decke; alle Stuben und Kammern waren mit Fussdecken versehen.
Dor güng de Mann hen un dachd, he wull na Huus gahn. Auf den Tischen stand das Essen und der allerbeste Wein, dass sie fast brechen wollten.
As he aver dor ankehm, so stünn dor 'n grooten stenern Pallast, un sin Fru stünn ewen up de Trepp un wull rin gahn. Und hinter dem Haus war auch ein grosser Hof mit Pferde- und Kuhstall, und Kutschwagen: alles vom allerbesten; auch war da ein grosser herrlicher Garten mit den schönsten Blumen und feinen Obstbäumen, und ein herrlicher Park, wohl eine halbe Meile lang, da waren Hirsche und Rehe drin und alles, was man nur immer wünschen mag. "
Dor nöhm se em bi de Hand und sä: "Kumm man rin." Na," sagte die Frau, "ist das nun nicht schön?"
Mitdes güng he mit ehr rin, un in de Schlott weer eene grote Dehl mit marmelstenern Fliesen, un dor weeren so veel Bedeenters, de reten de grooten Döhren up, un de Wenn weeren all blank un mit scheune Tapeten, un in de Zimmers luter gollne Stöhl und Dischen, un krystallen Kroonlüchters hüngen an de Dek, un so weer dat in all de Stuwen un Kammers. - "Ach ja," sagte der Mann, "so soll es auch bleiben.
Un dat Eten un de allerbeste Wien stünn up den Dischen, as wenn se breken wullen. Nun wollen wir auch in dem schönen Schloss wohnen und wollen zufrieden sein."
Un achter‘t Huus weer ok'n grooten Hoff mit Peerd- und Kohstall, un Kutschwagens up dat allerbeste, ok weer dor een grooten herrlichen Goorn mit de scheunsten Blomen un fine Appelböm, un een Lustholt wol 'ne halwe Meil lang, dor weern Hirschen un Reh un Hasen drin un allens, wat man sik jümmers wünschen mag. - "Das wollen wir uns bedenken," sagte die Frau, "und wollen es beschlafen."
"Na," sä de Fru, "is dat nun nich scheun?" Darauf gingen sie zu Bett.
"Ach ja," sä de Mann, "so schallt‘t ok bliwen, nu wöllt wi ok in das scheune Schlott waanen un wöllt tofreden sin." Am andern Morgen wachte die Frau als erste auf; es war gerade Tag geworden, und sah von ihrem Bett aus das herrliche Land vor sich liegen.
"Dat wöllt wi uns bedenken," sä de Fru, "un wöllt‘t beslapen." Der Mann reckte sich noch, da stiess sie ihn mit dem Ellbogen in die Seite und sagte: "Mann, steh auf und guck mal aus dem Fenster.
Mitdes güngen se to Bedd. Sieh, können wir nicht König werden über all das Land?
Den annern Morrn waakd de Fru toeerst up, dat wör jüst Dag, un süht uut jem eer Bedd dat herrliche Land vör sik liggen. Geh hin zum Butt, wir wollen König sein."
De Mann reckd sik noch, dor stödd se em mit denn Ellbagen in de Sid und sä: "Mann, sta up un kiek mal uut de Fenster. - "Ach Frau," sagte der Mann, "warum wollen wir König sein?"
Süh, kunnen wi nich König warden öwer all düt Land? - "Nun," sagte die Frau, "willst du nicht König sein, so will ich König sein.
Gah hen tom Butt, wi wüllt König sin." Geh hin zum Butt, ich will König sein."
"Ach, Fru," sä de Mann, "wat wöllt wi König sin! - "Ach Frau," sagte der Mann, "was willst du König sein?
Ick mag nich König sin." Das mag ich ihm nicht sagen."
"Na," sä de Fru, "wullt du nich König sin, so will ick König sin. - "Warum nicht?"
Gah hen tom Butt, ick will König sin." sagte die Frau, "geh stracks hin, ich muss König sein."
"Ach, Fru," sä de Mann, "wat wullst du König sin? Da ging der Mann hin und war ganz bedrückt, dass seine Frau König werden wollte.
Dat mog ick em nich seggen." Das ist und ist nicht recht, dachte der Mann.
"Worüm nich?" Er wollte nicht hingehen, ging aber dann doch hin.
sä de Fru, "gah stracks hen, ick mutt König sin." Und als er an die See kam, war die See ganz schwarzgrau, und das Wasser drängte so von unten herauf und stank auch ganz faul.
Dor güng de Mann hen un weer ganz bedrööft, dat sine Fru König warden wull. " Da stellte er sich hin und sagte: "Männlein, Männlein, Timpe Te, Buttje, Buttje in der See, Meine Frau, die Ilsebill, Will nicht so, wie ich wohl will."
Dat is nich recht un is nicht recht," dachd de Mann. "Na, was will sie denn?"
He wull nich hen gahn, güng aver doch hen. sagte der Butt. "
Un as he an de See köhm, dor weer de See ganz swartgrau, un dat Water geerd so von ünnen up un stünk ok ganz fuul. Ach," sagte der Mann, "sie will König werden."
Dor güng he an‘t Water un sä: "Manntje, Manntje, Timpe Te, Buttje, Buttje in der See, mine Fru, de Ilsebill, will nich so, as ick wol will." - "Geh nur hin, sie ist es schon," sagte der Butt.
"Na wat will se denn?" Da ging der Mann hin, und als er zu dem Palast kam, war das Schloss viel grösser geworden, mit einem grossen Turm und herrlichem Zierat daran: und die Schildwache stand vor dem Tor, und da waren so viele Soldaten und Pauken und Trompeten.
sä de Butt. " Und als er in das Haus kam, so war alles von purem Marmor und Gold, und sammtne Decken und grosse goldene Quasten.
Ach," sä de Mann, "se will König warden." Da gingen die Türen von dem Saal auf, wo der ganze Hofstaat war, und seine Frau sass auf einem hohen Thron von Gold und Diamanten und hatte eine grosse goldene Krone auf und das Zepter in der Hand von purem Gold und Edelstein.
"Gah man hen, se is‘t all," sä de Butt. Und auf beiden Seiten von ihr standen sechs Jungfrauen in einer Reihe, immer eine einen Kopf kleiner als die andere.
Dor güng de Mann hen, un as he na dem Pallast kem, so weer dat Schlott veel grötter worren, mit eenem grooten Toorm un herrliken Zierraat doran, un de Schildwach stünn vor de Döhr, un dor weeren so veele Soldaten un Pauken un Trumpeten. Da stellte er sich hin und sagte: "Ach Frau, bist du nun König?"
Un as he in dat Huus kem, so weer allens von purem Marmelsteen mit Gold, un sammtne Deken un groote gollne Quasten. - "Ja," sagte die Frau, "nun bin ich König."
Dor güngen de Döhren von dem Saal up, dor de ganze Hofstaat weer, un sine Fru sit up eenem hogen Troon von Gold und Demant, un harr eene groote gollne Kroon up un den Zepter in de Hand von purem Gold un Edelsteen, un up beiden Siden bi ehr stünnen ses Jumpfern in eene Reeg, jümmers eene eenen Kopp lütter as de annere. Da stand er nun und sah sie an; und als er sie eine Zeitlang so angesehen hatte, sagte er: "Ach Frau, was ist das schön, dass du nun König bist!
Dor güng he to sin Fru und sä: "Ach, Fru, büst du nu König?" Nun wollen wir uns auch nichts mehr wünschen."
"Ja," sä de Fru, "nu bün ick König." - "Nein, Mann," sagte die Frau, und war ganz unruhig, "mir wird schon Zeit und Weile lang, ich kann das nicht mehr aushalten.
Dor stünn he und kiekt se an, un as he ehr so ankiekt harr, sä he: "Ach, Fru, wat is dat scheun, wenn du König büst! Geh hin zum Butt: König bin ich, nun muss ich auch Kaiser werden."
Nu wöllt wi ok niks mehr wünschen." - "Ach Frau," sagte der Mann, "warum willst du Kaiser werden?"
"Ne, Mann," sä de Fru un weer ganz unruhig, "mi waart de Tied un Wiel al lang, ik kann dat nich mehr uthollen. - "Mann," sagte sie, "geh zum Butt, ich will Kaiser sein!"
Gah hen tom Butt, König bün ick, nu mutt ick ok Kaiser warden." - "Ach Frau," sagte der Mann, "Kaiser kann er nicht machen, ich mag dem Butt das nicht zu sagen; Kaiser ist nur einmal im Reich: Kaiser kann der Butt nicht machen."
"Ach, Fru," sä de Mann, "wat wullst du Kaiser warden?" - "Was," sagte die Frau, "ich bin König, und du bist doch mein Mann; willst du gleich hingehen?
"Mann," sä se, "gah tom Butt, ick will Kaiser sin." Gleich geh hin!
"Ach, Fru," sä de Mann, "Kaiser kann he nich maken, ick mag dem Butt dat nich seggen. - Kann er Könige machen, so kann er auch Kaiser machen; ich will und will Kaiser sein!
Kaiser is man eenmal im Reich, Kaiser kann de Butt jo nich maken, dat kann un kann he nich." Geh gleich hin!"
"Wat," sä de Fru, "ick bünn König, un du büst man min Mann, wullt du glieks hengahn? Da musste er hingehen.
Glieks gah hen. Als der Mann aber hinging, war ihm ganz bang; und als er so ging, dachte er bei sich: Das geht und geht nicht gut: Kaiser ist zu unverschämt, der Butt wird's am Ende leid.
Kann he König maken, kann he ok Kaiser maken. Inzwischen kam er an die See.
Ick will un will Kaiser sin, glieks gah hen." Da war die See noch ganz schwarz und dick und fing an, so von unten herauf zu schäumen, dass sie Blasen warf; und es ging so ein Wirbelwind über die See hin, dass sie sich nur so drehte.
Dor mussd he hengahn. Und den Mann ergriff ein Grauen.
As de Mann aver hengüng, weer em ganz bang, un as he so güng, dachd he be sik: "Düt geit un geit nich good. Da stand er nun und sagte: "Männlein, Männlein, Timpe Te, Buttje, Buttje in der See, Meine Frau, die Ilsebill, Will nicht so, wie ich wohl will."
Kaiser is to uutvörschaamt, de Butt wart am End möd." "Na, was will sie denn?"
Mitdes kem he an de See, dor weer de See noch ganz swart un dick un füng al so von ünnen up to geeren, dat et so Blasen smeet, un et güng so een Keekwind öwerhen, dat et sik so köhrd. sagte der Butt. "
Un de Mann wurr groen. Ach, Butt," sagte er, "meine Frau will Kaiser werden."
Dor güng he an‘t Water un sä: "Manntje, Manntje, Timpe Te, Buttje, Buttje in der See, mine Fru, de Ilsebill, will nich so, as ick wol will." - "Geh nur hin," sagte der Butt, "sie ist es schon."
"Na, wat will se denn?" Da ging der Mann hin, und als er dort ankam, war das ganze Schloss von poliertem Marmor mit Figuren aus Alabaster und goldenen Zieraten.
sä de Butt. " Vor der Tür marschierten die Soldaten, und sie bliesen Trompeten und schlugen Pauken und Trommeln; aber in dem Hause, da gingen die Barone und Grafen und Herzöge herum und taten, als ob sie Diener wären.
Ach Butt," sä he, "min Fru will Kaiser warden." Die machten ihm die Türen auf, die von lauter Gold waren.
"Gah man hen," sä de Butt," se is‘t all." Und als er hereinkam, da sass seine Frau auf einem Thron, der war von einem Stück Gold und war wohl zwei Meilen hoch; und sie hatte eine grosse goldene Krone auf, die war drei Ellen hoch und mit Brillanten und Karfunkelsteinen besetzt.
Dor güng de Mann hen, un as he dor kem, so weer dat ganze Schlott von poleertem Marmelsteen mit albasternen Figuren un gollnen Zierraaten. In der einen Hand hatte sie das Zepter und in der andern den Reichsapfel, und auf beiden Seiten neben ihr, da standen die Trabanten so in zwei Reihen, immer einer kleiner als der andere, von dem allergrössten Riesen, der war zwei Meilen hoch, bis zu dem allerwinzigsten Zwerg, der war so gross wie mein kleiner Finger.
Vör de Döhr marscheerden de Soldaten un se blösen Trumpeten und slögen Pauken un Trummeln. Und vor ihr standen viele Fürsten und Herzöge.
Aver in dem Huus, da güngen de Baronen un Grawen un Herzogen man so as Bedeenters herüm. Da trat nun der Mann zwischen sie und sagte: "Frau, bist du nun Kaiser?"
Dor makten se em de Döhren up, de von luter Gold weeren. - "Ja," sagte sie, "ich bin Kaiser."
Un as he rinkem, dor sit sine Fru up eenem Troon de weer von een Stück Gold, un weer wol twe Meil hoog, un harr eene groote gollne Kroon up, de weer dre Elen hoog un mit Briljanten un Karfunkelsteen besett. Da stellte er sich nun hin und besah sie sich recht, und als er sie so eine Zeitlang angesehen hatte, da sagte er: "Ach, Frau, wie steht dir das schön, dass du Kaiser bist."
In de eene Hand harr se den Zepter un in de anner Hand den Reichsappel, un up beiden Siden bi ehr, dor stünnen de Trabanten so in twe Regen, jümmers een lütter as de annere, von dem allergröttesten Riesen, de weer twe Meil hoog, bet to dem allerlüttjesten Dwaark, de weer man so groot as min lüttje Finger. - "Mann," sagte sie, "was stehst du da?
Un vör ehr stünnen so veele Fürsten un Herzogen. Ich bin nun Kaiser, nun will ich auch Papst werden; geh hin zum Butt."
Dor güng de Mann to ehr und sä: "Fru, büst du nu Kaiser?" - "Ach Frau," sagte der Mann, "was willst du denn nicht alles?
"Jo," sä se, "ick bün Kaiser." Papst kannst du nicht werden, ihn gibt's nur einmal in der Christenheit: das kann er doch nicht machen!"
Dor blivt he staan un bekiekt se sik so recht, un as he se so ankiekt harr, so sä he: "Ach, Fru, wat is dat scheun, wenn du Kaiser büst." - "Mann," sagte sie, "ich will Papst werden, geh gleich hin, ich muss heute noch Papst werden."
"Mann," sä se," wat steist du dor so rüm? - "Nein, Frau," sagte der Mann, "das mag ich ihm nicht sagen, das ist nicht gut, das ist zuviel verlangt, zum Papst kann dich der Butt nicht machen."
Ick bün nu Kaiser, nu will ick aver ok Paabst warden, gah hen tom Butt." - "Mann, schwatz kein dummes Zeug!"
"Ach, Fru," seggt de Mann, "watt wullst du man nich? sagte die Frau. "
Paabst kannst du nich warden, Paabst is man eenmal in der Kristenheit, dat kann he doch nich maken." Kann er Kaiser machen, so kann er auch einen Papst machen.
"Mann," sä se, "ick will Paabst warden, gah glieks hen, ick mutt hüüt noch Paabst warden." Geh sofort hin; ich bin Kaiser, und du bist doch mein Mann.
"Ne, Fru," sä de Mann, "dat mag ick em nich seggen, dat geit nich good, dat is to groff, tom Paabst kann de Butt nich moken." Willst du wohl hingehen?"
"Mann, wat Snack!" Da wurde ihm ganz bang zumute, und er ging hin, aber ihm war ganz flau dabei; er zitterte und bebte, und die Knie und Waden schlotterten ihm.
sä de Fru, "kann he Kaiser maken, kann he ok Paabst maken. Und da strich so ein Wind über das Land, und die Wolken flogen, und es wurde so düster wie gegen den Abend zu: die Blätter wehten von den Bäumen, und das Wasser ging hoch und brauste so, als ob es kochte, und platschte an das Ufer, und in der Ferne sah er die Schiffe, die gaben Notschüsse ab und tanzten und sprangen auf den Wogen.
Gah foorts hen, ick bünn Kaiser, un du büst man min Mann, wullt du wol hengahn?" Doch war der Himmel in der Mitte noch ein bisschen blau, aber an den Seiten, da zog es so recht rot auf wie ein schweres Gewitter.
Dor wurr he bang un güng hen, em weer aver ganz flau, un he zitterd un beewd, un de Knee un de Waden slakkerden em. Da ging er ganz verzagt hin und stand da in seiner Angst und sagte: "Männlein, Männlein, Timpe Te, Buttje, Buttje in der See, Meine Frau, die Ilsebill, Will nicht so, wie ich wohl will."
Un dor streek so'n Wind öwer dat Land, un de Wolken flögen, as dat düster wurr gegen Awend. "Na, was will sie denn?"
De Bläder weiden von den Böm, und dat Water güng un bruusd, as kaakd dat, un platschd an dat euver, un von feern süh he de Schepen, de schöten in der Noot, un danzden un sprüngen up den Bülgen. sagte der Butt. "
"Manntje, Manntje, Timpe Te, Buttje, Buttje in der See, mine Fru, de Ilsebill, will nich so, as ick wol will." Ach"; sagte der Mann, "sie will Papst werden."
"Na, wat will se denn?" - "Geh nur hin, sie ist es schon," sagte der Butt.
sä de Butt. " Da ging er hin, und als er ankam, da war da eine grosse Kirche, von lauter Palästen umgeben.
Ach," sä de Mann, "se will Paabst warden." Da drängte ersieh durch das Volk; inwendig war aber alles mit tausend und tausend Lichtern erleuchtet, und seine Frau war ganz in Gold gekleidet und sass auf einem noch viel höheren Thron und hatte drei grosse goldene Kronen auf, und um sie herum, da war so viel geistlicher Staat, und zu beiden Seiten von ihr, da standen zwei Reihen Lichter, das grösste so dick und so gross wie der allergrösste Turm, bis zu dem allerkleinsten Küchenlicht.
"Gah man hen, se is‘t all," sä de Butt. Und all die Kaiser und Könige, die lagen vor ihr auf den Knien und küssten ihr den Pantoffel. "
Dor güng he wedder hen, un as he dor kem, so weer dor sowat as en groote Karch mit luter Pallastens ümgewen. Frau," sagte der Mann und sah sie so recht an, "bist du nun Papst?"
Dor drängd he sik dörch dat Volk. - "Ja," sagte sie, "ich bin Papst."
Inwendig weer aver allens mit dusend un dusend Lichtern belücht, un sine Fru weer in luter Gold gekledet, un seet noch up eenem veel högeren Troon, un harr dre groote gollne Kronen up, un üm ehr dor weer so veel von geistlikem Staat, un up beiden Siden bi ehr, dor stünnen twe Regen Lichter, dat gröttste so dick un groot as de allergröttste Toorm, bet to dem allerkleensten Kakenlicht; un alle de Kaisers un de Königen, de legen vör ehr up de Knee und küßden ehr den Tüffel. Da ging er hin und sah sie recht an, und da war ihm, als ob er in die helle Sonne sähe.
"Fru," sä de Mann un kiekt se so recht an, "büst du nun Paabst?" Als er sie so eine Zeitlang angesehen hatte, sagte er: "Ach Frau, wie gut steht dir das, dass du Papst bist!"
"Jo," sä se, "ick bün Paabst." Sie sass aber ganz steif wie ein Baum und rührte und regte sich nicht.
Dor güng he to ehr hin un süht in ehr Gesicht, un dat weer, as wenn he in de hell Sunn kieken deit. Da sagte er: "Frau, nun sei zufrieden, dass du Papst bist, denn nun kannst du doch nichts mehr werden."
As he se sik so ankiekt harr, so ä he: "Ach, Fru, wat is dat scheun, wenn du Paabst büst!" - "Das will ich mir bedenken," sagte die Frau.
Se sit aver ganz stief as en Boom, un rippeld un röhrd sik nich. Damit gingen sie beide zu Bett.
Dor sä he: "Fru, nu si tofreden, nu du Paabst büst, nu kannst du doch niks mehr warden." Aber sie war nicht zufrieden, und die Gier liess sie nicht schlafen; sie dachte immer, was sie noch werden könnte.
"Dat will ick mi bedenken," sä de Fru. Der Mann schlief recht gut und fest, er hatte am Tag viel laufen müssen; die Frau aber konnte gar nicht einschlafen und warf sich die ganze Nacht von einer Seite auf die andere und dachte immer darüber nach, was sie wohl noch werden könnte, und konnte sich doch auf nichts mehr besinnen.
Mitdes güngen se beid to Bedd, aver se weer nich tofreden, un de Girigheit leet se nich slapen, se dachd jümmers, wat se noch warden wull. Indessen wollte die Sonne aufgehen, und als sie das Morgenrot sah, setzte sie sich aufrecht im Bett hin und sah da hinein.
De Mann sleep recht good un fast, he harr den Dag veel lopen, de Fru aver kunn goor nich inslapen, un smeet sik von een Sid to der annern de ganze Nacht un dachd man jümmers, wat se noch wol warden kunn, un kunn sik doch up niks mehr besinnen. Und als sie aus dem Fenster die Sonne so heraufkommen sah: Ha, dachte sie, kann ich nicht auch die Sonne und den Mond aufgehen lassen?
Mitdes wull de Sünn upgahn, un as se dat Morrnrood seen deit, richtd se sik öwer End im Bedd up un kiekt dor rin. - "Mann," sagte sie und stiess ihn mit dem Ellenbogen in die Rippen; "wach auf, geh hin zum Butt, ich will werden wie der liebe Gott."
Un as se uut dem Fenster de Sünn so herup kamen süht, dachd se: "Ha, kunn ick nich ok de Sünn un de Maand upgahn laten?" Der Mann war noch ganz schlaftrunken, aber er erschrak so, dass er aus dem Bett fiel.
"Mann," sä se un stöd em mit dem Ellbagen in de Ribben, "waak up, gah hen tom Butt, ick will warden as de lewe Gott." Er meinte, er hätte sich verhört, rieb sich die Augen aus und sagte: "Ach Frau, was sagst du?"
De Mann weer noch meist in'n Slaap, aver he vörschrock sik so, dat he uut dem Bedd füll. - "Mann," sagte sie, "wenn ich nicht die Sonne und den Mond kann aufgehen lassen, das kann ich nicht aushalten, und ich habe keine ruhige Stunde mehr, dass ich sie nicht selbst kann aufgehen lassen."
He meend, he harr sik vörhöörd, un reef sik de Ogen ut un sä: "Ach, Fru, wat seggst du?" Dabei sah sie ihn ganz böse an, dass ihn ein Schauder überlief. "
"Mann," sä se, "wenn ick nich de Sünn un de Maand kan upgahn laten, un mutt dat so ansehn, dat de Sünn un de Maand upgahn, ick kann dat nich uuthollen, un hebb kene geruhige Stünd mehr, dat ick se nich sülben kann upgahn laten." Gleich geh hin, ich will werden wie der liebe Gott."
Dor süht se em so recht gräsig an, dat em so'n Schruder öwerleep. " - "Ach Frau," sagte der Mann und fiel vor ihr auf die Knie, "das kann der Butt nicht.
Glieks gah hen, ick will warden as de lewe Gott." Kaiser und Papst kann er machen; - ich bin dich, geh in dich und bleibe Papst."
"Ach, Fru," sä de Mann, un füll vör ehr up de Knee, dat kann de Butt nich. Da überkam sie die Bosheit, die Haare flogen ihr so wild um den Kopf und sie schrie: "Ich halte das nicht aus!
Kaiser un Paabst kann he maken, ick bidd di, go in di un blif Paabst." Und ich halte das nicht länger aus!
Dor kem se in de Boosheit, de Hoor flögen ehr so wild üm den Kopp, dor reet se sik dat Lifken up un geef em eens mit dem Foot un schreed: "Ick holl dat nich uut, un holl dat nich länger uut, wullt du wol hengahn!" Willst du hingehen?!"
Dor slööpd he sik de Büxen an un leep wech as unsinnig. Da zog er sich die Hose an und lief davon wie unsinnig.
Buten aver güng de Storm, un bruusde, dat he kuum up de Föten staan kunn. Draussen aber ging der Sturm und brauste, dass er kaum auf den Füssen stehen konnte.
De Hüüser un de Böm weiden um, un de Baarge beewden, un de Felsenstücken rullden in de See, un de Himmel weer ganz pickswart, un dat dunnerd un blitzd, un de See güng in so hoge swarte Bülgen as Karchtöörm un as Baarge, un de harrn bawen alle eene witte Kroon von Schuum up. Die Häuser und die Bäume wurden umgeweht, und die Berge bebten, und die Felsenstücke rollten in die See, und der Himmel war ganz pechschwarz, und es donnerte und blitzte, und die See ging in so hohen schwarzen Wogen wie Kirchtürme und Berge, und hatten oben alle eine weisse Schaumkrone auf.
So schree he, un kun sin egen Woord nich hören: "Manntje, Manntje, Timpe Te, Buttje, Buttje in der See, mine Fru, de Ilsebill, will nich so, as ick wol will." Da schrie er, und konnte sein eigenes Wort nicht hören: "Männlein, Männlein, Timpe Te, Buttje, Buttje in der See, Meine Frau, die Ilsebill, Will nicht so, wie ich wohl will."
"Na, wat will se denn?" "Na, was will sie denn?"
sä de Butt. " sagte der Butt. "
Ach," sä he, "se will warden as de lewe Gott." Ach," sagte er, "sie will werden wie der liebe Gott."
"Gah man hen, se sitt all weller in'n Pißputt." - "Geh nur hin, sie sitzt schon wieder in der Fischerhütte."
Dor sitten se noch bet up hüüt un düssen Dag. Da sitzen sie noch bis auf den heutigen Tag.


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